ENERGIEMANAGEMENT

Eine der wichtigsten Ressourcen für den laufenden Betrieb von Autobahnen und Schnellstraßen ist Energie. Das steigende Verkehrsaufkommen, zusätzliche Straßen- und Tunnelanlagen sowie neue Sicherheitsbestimmungen führen zu einem immer höheren Bedarf. Unser Fokus liegt daher auf Energieeffizienz, dem Umstieg auf erneuerbare Energie und der Optimierung unseres Energiemanagementsystems.

Säulengrafik Energieverbrauch

Für die laufende Evaluierung erstellen wir jährlich eine Energiebilanz. Die Emissions- und Energiekennzahlen für 2018 liegen erst im Laufe des Jahres 2019 vor und werden im Rahmen des Nachhaltigkeits-Updates veröffentlicht. Die aktuellen Zahlen beziehen sich daher auf das Jahr 2017.

In 2017 hat sich unser eigener Energieverbrauch (Scope 1) gegenüber 2016 um 4% auf 204,5 GWh erhöht. Der Primärenergieverbrauch (inkl. Scope 2) stieg damit um 5% auf 237,5 GWh.

Berücksichtigt man den Verkehrszuwachs, beträgt die Steigerung nur mehr 1,7%: der Energieverbrauch pro Fahrleistung stieg von 6.363 kWh/Mio. km im Jahr 2016 auf 6.470 kWh/Mio. km im Jahr 2017. Die Gründe für die Zunahme des Energieverbrauchs in 2017 liegen vor allem in den erhöhten betrieblichen Fahrleistungen im besonders kalten und schneereichen Winter Anfang und Ende 2017. Zusätzlich sind die deutlich wachsenden Anforderungen an verbesserte Sicherheitseinrichtungen für den höheren Energieverbrauch verantwortlich. So steigen beispielsweise die behördlichen Vorgaben für die Beleuchtung von Tunnel und Straßen kontinuierlich an. Wir gehen somit auch für 2018 von einem weiteren Anstieg unseres Energieverbrauchs aufgrund der oben genannten laufenden Verbesserungen bei der Tunnelsicherheit aus.

Tabelle Energieverbrauch in GWh nach Quellen

Fokus: Tunnelsicherheit

Tortengrafik Anteile Energiebedarf 2017

Die größten Energieverbraucher sind unsere Tunnelanlagen. In den vergangenen Jahren wurden aufgrund der Straßentunnelsicher-heitsgesetz-Initiative zahlreiche Anlagen neu errichtet und saniert bzw. entsprechend der neuen Sicherheitsbestimmungen mit besserer Beleuchtung und leistungsfähigerer Belüftung sowie generell verbesserten Betriebs- und Sicherheitseinrichtungen ausgestattet. Das führte zu einem deutlich höheren Energiebedarf. Dank umfassender Effizienzmaßnahmen – z.B. Umstieg auf LED-Beleuchtung, Einsatz energieeffizienterer Transformatoren – gelang es jedoch, die Zunahme des Energiebedarfs gering zu halten.

Hoher Anteil erneuerbarer Energie

Um negative Umwelteinflüsse zu minimieren, setzen wir konsequent auf erneuerbare Energieträger: Seit 2016 bezieht die ASFINAG nur mehr Strom aus erneuerbarer Energie. Zusätzlich forcieren wir die eigene Energieerzeugung. Die Errichtung und der Betrieb von Photovoltaik-Anlagen wurde im Jahr 2018 aus dem Pilotstadium in den Regelbetrieb übergeführt. Insgesamt wurden an drei Tunnelportalen Photovoltaikanlagen errichtet, um direkt am Ort des Verbrauchs Eigenenergie umweltfreundlich zu erzeugen.

Anteile der Treibhausgas-Emissionen im Betrieb 2017Trotz hohen Energiebedarfs tragen die Tunnelanlagen daher nur mehr zu 8% zu unserem Treibhausgasausstoß bei. Seit 2012 konnten die durch Tunnelanlagen verursachten Treibhausgas-Emissionen – trotz des Baus zusätzlicher Tunnelröhren und leistungsfähigerer technischer Ausrüstung der Tunnel – von 22.100 t um über 90% auf 2.200 t im Jahr 2017 reduziert werden. Der Anteil der erneuerbaren Energie bei unserem Strombezug stieg im gleichen Zeitraum von 25% auf über 60%. Auch für 2018 ist aufgrund der weiteren Installation von Photovoltaik-Anlagen ein Anstieg des Anteils an erneuerbaren Energien zu erwarten.

Auch die im Eigentum der ASFiNAG stehenden Gebäude wie Autobahnmeistereien oder Büros werden kontinuierlich thermisch saniert, und alte Heizungen werden durch energieeffiziente Heizsysteme ersetzt. Damit ist heute unsere Fahrzeugflotte der größte eigenverursachte Emittent.

Treibhausgas Emissionen im Betrieb Durch den hohen Anteil erneuerbarer Energie fiel die Steigerung der Treibhausgas-Emissionen in 2017, im Vergleich zu 2016, insgesamt geringer aus: Die Emissionen erhöhten sich (inkl. Scope 2) um rund 3% von 27.298 t auf 28.217 t. Bezogen auf die Fahrleistung zeigt sich gegenüber 2016 keinerlei Steigerung. Auch für 2018 ist im Betrieb unserer Tunnel (mehr Anlagen und strengere Vorschriften) und aufgrund der steigenden Fahrleistung in unserem Fuhrpark mit einer Steigerung der Treibhaus-Emissionen zu rechnen.

In 2017 betrug der Anteil von CO2 an den Treibhausgas-Emissionen 95,4% (vor allem aus der Verbrennung fossiler Energie), der Anteil von CH4 3% (vor allem aus Verlusten bei Erdgas-Förderung und -Transport) und der Anteil von N2O 1,6% (vor allem aus Fahrzeugen und der Produktion von Biodiesel).

Förderung emissionsarmer Mobilität

Laut der vom Umweltbundesamt errechneten Kennzahlen stiegen die Treibhausgas-Emissionen des Individualverkehrs auf den Autobahnen und Schnellstraßen im Jahr 2017 – das sind die aktuellsten verfügbaren Zahlen – weiter an, und zwar um 2,5% auf rund 7,2 Mio. t. Der Anstieg ist jedoch deutlich geringer als im Jahr 2016. In 2018 erwarten wir eine weitere Erhöhung der Fahrleistung im Leicht- und Schwerverkehr auf unseren Straßen und es ist auch von einem Anstieg der THG-Emissionen auszugehen. Die Gegensteuerung durch Mauttarife und Vernetzung mit Öffentlichem Verkehr konnte nicht ausreichend kompensierend wirken. In 2015 konnte mit der CO2-abhängigen LKW-Maut eine kurzfristige Reduktion des THG-Ausstoßes von KFZ über 3,5 t erreicht werden. Bereits 2016 war jedoch wieder ein Anstieg zu verzeichnen.

THG-Emissionen auf Autobahnen und Schnellstraßen

Es ist geplant, 2019 emissionsarme Mobilität zu fördern und neue LKW- und Busmauttarife einzuführen. Fahrzeuge über 3,5 t höchstzulässigem Gesamtgewicht (hzG) mit Elektro- bzw. Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb sollen in einer neuen Tarifgruppe (E/H2) berücksichtigt und wie Fahrzeuge der EURO-Emissionsklasse VI bemautet werden. Dadurch werden Anreize geschaffen, Investitionen in eine neue, moderne und saubere Mobilität zu fördern.

Initiativen für den Klimaschutz

Wir bekennen uns zum aktiven Klimaschutz und zur Dekarbonisierung. Das verlangt global langfristig den vollständigen Verzicht auf fossile Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle. Davon ist der Individualverkehr natürlich besonders betroffen. Deshalb unterstützt die ASFINAG die #mission2030 – die Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung. Die Strategie dient als Orientierung für Bund, Länder und Gemeinden sowie für Wirtschaft und Gesellschaft zur Umsetzung der Ziele des Pariser Klimaabkommens und der EU-Ziele bis 2030.

Die ASFINAG leistet bereits einen Beitrag zur Erreichung der Ziele durch die Umstellung des eigenen Fuhrparks auf alternative Antriebssysteme, den Einsatz von Photovoltaikanlagen an Tunnelportalen, sauberen Strom für Lkw-Kühlanlagen auf Rastplätzen, aber auch durch den schonenden Umgang mit Ressourcen beim Bau oder durch Recycling.

Umstellung auf alternative Antriebssysteme

Bis 2020 sollen 20 Prozent unserer rund 500 Dienstwagen und Poolautos – also etwa 100 Fahrzeuge – mit elektrischem Antrieb ausgestattet sein. Mit Ende 2018 waren bereits 37 Elektro-Fahrzeuge in Betrieb, weitere sind bereits bestellt. Für das Laden der E-Fahrzeuge der Mitarbeitenden werden unsere Betriebsstandorte mit der nötigten Ladeinfrastruktur ausgerüstet. Für unsere im Winterdienst eingesetzten schweren LKW gibt es derzeit noch kein Angebot an Elektro-Fahrzeugen. Wir prüfen daher künftige Möglichkeiten für Wasserstoffantrieb.


Ausbau von Ladestationen

Auch auf unseren Autobahnen und Schnellstraßen bauen wir die Infrastruktur für E-Mobilität kontinuierlich aus. Als wichtigen Schritt zur CO2-neutralen Autobahn errichteten wir 12 weitere ultraschnelle Ladestationen und ermöglichen damit elektrisches Langstreckenfahren. Mit Ende 2018 waren 26 Raststationen mit Ladestationen für Elektro-Autos ausgestattet. 2019 kommen weitere fünf Standorte hinzu. Damit ist bereits eine gute Abdeckung unseres Straßennetzes gegeben: Die durchschnittliche Entfernung zwischen den Ladestationen beträgt 100 km, was auch Langstreckenfahrten innerhalb unseres Netzes ermöglicht.

E-LadestationenDie Leistung der Ladestationen beträgt bis zu 350 kW. Damit wird ein ultraschnelles Laden in rund 15 Minuten ermöglicht. Die Ladestationen sind mit allen gängigen Steckertypen ausgestattet und an eine offene E-Roaming-Plattform angebunden. Damit erhalten alle nationalen und auch internationalen Kunden einen einfachen Zugang zu den Ladestationen. So machen wir elektrisches Langstreckenfahren einfach und komfortabel.

Weitere Park & Drive-Anlagen

Zur weiteren Unterstützung von Fahrgemeinschaften und der Erhöhung des Besetzungsgrades der PKW auf unserem Netz errichteten wir 2018 drei zusätzliche Park & Drive-Anlagen bei den Anschlussstellen A 1 Eberstalzell (49 Stellplätze), A 5 Poysdorf Nord (23 Stellplätze) und A 5 Mistelbach Ost (55 Stellplätze). Damit erhöhte sich die Zahl unserer Park & Drive-Stellplätze mit Ende 2018 auf 1.281. Weitere 1.520 Plätze wurden bisher von anderen Körperschaften errichtet, sodass derzeit entlang unserer Autobahnen und Schnellstraßen 2.801 Plätze zur Verfügung stehen.

Eigene Energieerzeugung

Wir investieren in die Erzeugung eigener Energie und bauen diese kontinuierlich aus. Die Tunnelportale und Dachflächen auf den ASFINAG Standorten sind gut geeignet, um Photovoltaikanlagen zu errichten und den vor Ort erzeugten Strom direkt dort zu verwenden, wo er verbraucht wird. So wurden 2018 – neben den bereits in Betrieb befindlichen Anlagen Plabutschtunnel und Herzogbergtunnel sowie Einhausung Trebesing – Photovoltaikanlagen an den Portalen des Wolfsbergtunnels und Katschbergtunnels errichtet. Letztere ist die bislang größte Anlage mit einer erzeugten Leistung von bis zu 195 kWp. Mit der erzeugten Energie kann der Grundverbrauch des Tunnels – etwa für Beleuchtung – sowie der Bedarf für Betriebs- und Sicherheitssysteme zur Gänze abgedeckt werden. Weitere Anlagen befinden sich auf einer Verkehrsbeeinflussungsanlage, einer Autobahnmeisterei und einem Rastplatz.

Es ist das erklärte Ziel der ASFINAG, dort Eigenenergie zu erzeugen, wo 100% der erzeugten Energie auch verbraucht werden. Deshalb sind bereits weitere Anlagen in Tunnelnähe und auf ASFINAG Standorten intensiv in Prüfung und Vorbereitung. Rückspeisung oder weitläufige Energieverteilung liegt nicht im Fokus.

Weniger Dienstreisen

Videokonferenzen pro MonatUm die Umweltbeeinträchtigungen durch Dienstreisen zu reduzieren, forcieren wir seit mehreren Jahren das Abhalten von Videokonferenzen – und das mit vollem Erfolg: Im Vergleich zu 2017 hat sich die Zahl der Videokonferenzen um fast 10% erhöht. 2017 wurde begonnen, die Telefonanlagen mit der Videokonferenzfunktion zu koppeln, um das gleichzeitige Läuten am PC und Smartphone zu ermöglichen. Auch die Teilnahme an Videokonferenzen für externe Partner in laufenden Konferenzen wurde erleichtert.

Nationale und internationale Kooperationen

Seit 2015 beschäftigen wir uns verstärkt mit den zunehmenden Felsstürzen und Hochwässern. Diese Aktivitäten laufen in enger Abstimmung mit der ÖBB und unter Nutzung gezielter Kooperationen (z. B. Joanneum Research). Im abgelaufenen Jahr wurden Gefahrenstellen begutachtet und zahlreiche Präventionsmaßnahmen eingeleitet bzw. bereits umgesetzt. Weiters vernetzen wir uns auch international zum Thema des Klimawandels und zum Schutz vor Naturgefahren in der Conference of European Directors of Roads (CEDR) sowie der World Road Association (PIARC).

Verbessertes Energiemanagement

Um die steigenden Anforderungen an das Energiemanagement bestmöglich zu erfüllen, starten wir 2019 mit der Einführung eines Managementsystems nach ISO 50001, dessen geplante Umsetzung im Laufe 2020 erfolgen soll.

Schlüssel-Kennzahlen (KPI)
Energieverbrauch (GWh) (2017) 204
Energieverbrauch / Fahrleistung (kWh/mio km) (2017) 6.470
Direkte THG-Emissionen durch Autoverkehr auf Autobahnen und Schnellstraßen (in 1000 t) (2017) 7.214
THG-Emissionen Betrieb (in 1000 t CO2-Äq.) (2017) 28,2
THG-Emissionen Betrieb/ Fahrleistung (t CO2-Äq./mio km) (2017) 0,89
Anteil erneuerbarer Energie (Scope 1 + 2) (2017) 61%

Ziele aus 2018:

  • Weitere Forcierung der Eigenenergieerzeugung 
  • Beginn der Umstellung des Fuhrparks auf E-Antrieb 
  • Errichtung von E-Ladestationen für den eigenen Fuhrpark 
  • Aktive Unterstützung der Errichtung von E-Ladestationen auf Raststationen 
  • Vorbereitungen für ein Energiemanagementsystem entsprechend ISO 50001 

Ziele für 2019:

  • Start mit der Einführung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001
  • Weitere Forcierung der Eigenenergieerzeugung
  • Fortsetzung der Umstellung des Fuhrparks auf E-Antrieb
  • IT-Tool zur effizienten Nutzung und Auslastung der internen Ladestationen

Betroffene Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG):

SDG 7Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern
SDG 8Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
SDG 9Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
SDG 12Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen
SDG 13Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen

GRI Disclosures:
103-1, 103-2, 103-3, 302-1, 302-3, 302-4, 305-1, 305-2, 305-3, 305-4, 305-5, 305-7
SDG Targets:
7.2, 7.3, 7.a, 8.4, 9.4, 12.2, 13.1, 13.2