Verfügbarkeit unseres Straßennetzes

Auf den Autobahnen und Schnellstraßen der ASFINAG wird ein großer Teil der Fahrleistung abgewickelt. Das führt bei nahezu unverändertem Streckennetz zu dichtem Verkehr. Die Herausforderungen im Jahr 2020 bestanden vor allem darin, trotz COVID-19 und den damit einhergehenden Einschränkungen, die von Gesellschaft und Industrie benötigte und gewünschte Mobilität zu gewährleisten.

Im Jahr 2020 haben COVID-19 und die daraus resultierenden Einschränkungen zu einem Rückgang der Verkehrsentwicklung geführt. Der Berufs- und Pendlerverkehr, der Reiseverkehr sowie der Transitverkehr waren unterschiedlich stark betroffen. In Summe ist 2020 der Leichtverkehr (Kfz < 3,5t und Motorräder) um 22,2% gesunken. Der Schwerverkehr (Busse und LKW > 3,5t) nahm im Vergleich zum Vorjahr um 4,6% ab. Die rückläufige wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch im Rückgang des Güterverkehrs auf dem ASFINAG-Streckennetz wider. Insgesamt (Schwer- und Leichtverkehr) wurden auf unseren Straßen im vergangenen Jahr über 26 Mrd. Kfz-km zurückgelegt, das sind um rund 20 % weniger als 2019. Die Länge des Streckennetzes ist gegenüber 2019 leicht angestiegen und beträgt mit Stand 31.12.2020 2.249 km.

Die besondere Herausforderung im Jahr 2020 bestand darin, die Baustellen trotz COVID-19 planmäßig durchzuführen und den Verkehr flüssig zu halten. Insbesondere das geringere Verkehrsaufkommen auf den Reiserouten im Sommer wurde genutzt, um diese Ziele zu erreichen. 2020 wurden daher wesentliche Bauvorhaben zur Erweiterung des Netzes fortgeführt bzw. fertiggestellt, wie z.B. die A7 Mühlkreis Autobahn Bypass Voestbrücke, die A26 Linzer Autobahn, die S3 Weinviertler Schnellstraße, die S7 Fürstenfelder Schnellstraße oder die S36 Murtal Schnellstraße. Auch wurden Generalerneuerungen begonnen und fortgesetzt, wie z.B. die A4 Ost Autobahn 3-streifiger Ausbau Fischamend bis Bruck a. d. Leitha West und oder die A23 GE Hochstraße St. Marx.

Staubekämpfung

Die Situation rund um COVID-19 hatte 2020 einen maßgeblichen Einfluss auf das Stauaufkommen. Generell ist, u.a. bedingt durch das geringere Verkehrsaufkommen, auch das Ausmaß der Staueinheiten im Vergleich zu 2019 zurückgegangen. Auf die Ursachen bezogen zeigen sich jedoch sehr differenzierte Bilder. Es gab de facto keinen Reiseverkehr zu den Osterfeiertagen bzw. nur eingeschränkten Reiseverkehr im Sommer. Dadurch waren neben Überlastungsstaus auch die Anzahl von Unfällen und deren Auswirkungen geringer. Auf der anderen Seite gab es massive Anstiege bei den Staus an den Grenzen aufgrund der strikten Gesundheitskontrollen (vor allem im März bis Mai auf der A4 und um Sommer auf der A11) sowie eine annähernd gleichbleibende Tendenz bei den baustellenbedingten Staus vor allem in den Ballungsräumen (Großbaustellen in Wien).

Allgemein ist unser Ziel, die Zunahme an baustellen- oder unfallbedingten Staus zu verhindern. 2016 entwickelten wir dafür geeignete Instrumentarien:

  • Stau: Ein Streckenabschnitt wird als gestaut betrachtet, wenn die durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit 30 km/h oder weniger beträgt.
  • Staueinheit: Als Staueinheit gilt eine Strecke von einem Kilometer Länge, die für eine Stunde gestaut ist.

Kernstrategie Verfügbarkeit

Die Sicherstellung der „Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs“ auf den Autobahnen und Schnellstraßen zählt gemäß Bundesstraßengesetz zu den Kernaufgaben der ASFINAG. Im Jahr 2020 wurde daher die Kernstrategie Verfügbarkeit erarbeitet. Die finalen Handlungsfelder und Ziele werden voraussichtlich 2021 vorliegen. Die Kernstrategie wird Maßnahmen zur Aufrechterhaltung eines „stabilen Verkehrsablaufes“ auf dem Autobahnen- und Schnellstraßennetz umfassen. Die bestehenden Netzkapazitäten können die steigenden Mobilitätsbedürfnisse im Personen- und Güterverkehr abschnittsweise nicht bewältigen. Aus diesem Grund werden laufend Streckenabschnitte mit instabilen Verkehrsabläufen identifiziert, ein zeitgemäßes und übergreifendes Netzentwicklungsprogramm für diese Abschnitte erstellt und mit den Eigentümern und Stakeholdern abgestimmt.

Fokus auf Netz- und Informationssicherheit

Mit 28.12.2018 ist das österreichische Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz (NISG) in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz wird die europäische Richtlinie über Maßnahmen zur Gewährleistung eines hohen gemeinsamen Sicherheitsniveaus von Netz- und Informationssystemen (NIS-Richtlinie) umgesetzt. In Österreich sind die nationalen Betreiber wesentlicher Dienste betroffen, die als solche mittels Bescheid verpflichtet werden umfangreiche Maßnahmen zur Steigerung der Informations-sicherheit umzusetzen. Als wesentliche Dienste gelten gemäß Gesetz jene Aufgaben, die eine wesentliche Bedeutung insbesondere für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens haben und deren Verfügbarkeit abhängig von Netz- und Informationssystemen ist.

Der Betrieb der Netz- und Informationssysteme der ASFINAG, die zur Steuerung und Überwachung des Verkehrs auf dem von der ASFINAG betreuten Streckennetz benötigt werden, unterliegt dem NISG. Damit müssen wir nachweisen, dass unsere Netz- und Informationssysteme ausreichend gegen „Cyberkrisen“ geschützt sind, um die Ausfallsicherheit unserer Systeme zu gewährleisten (z.B. in Bezug auf die Verkehrsbeeinflussungsanlagen, Tunnelbetrieb, etc.).

Die ASFINAG hat sich über das NISG hinaus dazu verpflichtet, für alle informationsverarbeitenden Einrichtungen ein konzernweites Internes Kontrollsystem (IKS) zur Informationssicherheit aufzubauen. Dabei wird ein risikoadäquater Schutz unter Berücksichtigung des Standes der Technik verfolgt. Erste Richtlinien (Informationssicherheitsleitbild, Konzern-Informationssicherheits-Richtlinie, Informations-sicherheit für Anwender) dazu wurden bereits 2018 erlassen.

Im Jahr 2019 lag ein wesentlicher Schwerpunkt auf der Durchführung einer umfangreichen Risikoanalyse sowie der Ableitung und Priorisierung notwendiger Maßnahmen. Darauf aufbauend wurden ein Zutrittskonzept und Maßnahmen zum Objektschutz erarbeitet und umgesetzt. Im Jahr 2020 wurden bereits einige Objekte mit Objekt- und Zutrittsschutz mittels MSG/AACM (ASFINAG Access Control Management) ausgerüstet. Für 2021 ist geplant, die restlichen Objekte auszurüsten. Weiters wurde im Herbst 2020 auch mit der Erhebung der nicht NIS-relevanten Objekte begonnen, um auch diese künftig mit Objekt- und Zutrittsschutz auszurüsten.

Darüber hinaus wurden zahlreiche Planungshandbücher überarbeitet, um sicherzustellen, dass die Informationssicherheit bei zukünftigen Projekten auf breiter Basis fest verankert ist. Auch ein E-Learning Modul zur Informationssicherheit wurde eingeführt. Neben der Begleitung der Projekte und der Sensibilisierung der Planer und des eigenen Personals wurde bei ausgewählten Projekten (IMIS-Trailer) auch erstmalig ein Sicherheitscheck durchgeführt. Dieser Check bestand einerseits aus einem theoretischen Teil (Architektur/Design der Hard- und Software) sowie einer abschließenden Prüfung und Abnahme durch externe Sicherheitsspezialisten.

ASFINAG Zielnetz 2030+

Das ASFINAG Zielnetz 2030+ ist ein 2018 gestartetes Projekt zur verfügbarkeitsorientierten Netzentwicklung des Bestandsnetzes unter Berücksichtigung von Trends und Entwicklungen in der Mobilität. Dabei werden für den zukünftigen Umgang mit stark belasteten Abschnitten des ASFINAG-Netzes unterschiedliche Lösungsansätze betrachtet und geprüft. Im Gegensatz zur konventionellen Herangehensweise, bei der aus Sicht eines Straßenbetreibers nur bauliche kapazitätserweiternde Maßnahmen betrachtet werden, werden zukünftig auch die Auswirkungen von aktuellen Trends wie Automatisiertes Fahren oder Multimodale Konzepte einen Schwerpunkt unserer Tätigkeit bilden. Als Ergebnis dieser zukunftsorientierten Betrachtung wird eine integrative Netzplanung umgesetzt, welche verkehrliche, ökologische und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.

Als Grundlage für die integrative Bewertung von zukünftigen Maßnahmen wurde eine Bewertungs-methodik entwickelt, die unterschiedliche Herangehensweisen zur Beseitigung von Kapazitäts-engpässen berücksichtigt. Diese Methodik wird als „Zielsystem“ bezeichnet und beinhaltet eine zweistufige Entscheidungsfindung bei der Entwicklung von Maßnahmen. In der ersten Phase führt ein Expertengremium eine grundsätzliche Betrachtung durch, welche Maßnahmen für den zu untersuchenden Abschnitt geeignet wären. Nach Abstimmung mit dem Management werden in der zweiten Phase diese Varianten detailliert untersucht und nach vorgegebenen Kriterien bewertet. Das Zielsystem wird bereits in der Praxis bei aktuellen Projekten eingesetzt.

Zukunftstrends, welche eine relevante verkehrliche Wirkung auf das ASFINAG-Netz haben können, werden in der Zielnetz-Betrachtung berücksichtigt. Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, welche sich mit Themen wie Truck Platooning, Automatisiertes Fahren oder Multimodale Infrastruktur beschäftigen. In diesen Arbeitsgruppen sind auch Mitarbeitende des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie und AustriaTech (Gesellschaft des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen) eingebunden. Die Arbeitsgruppen wurden 2019 abgeschlossen und die Ergebnisse fließen in die Kernstrategie Verfügbarkeit ein.

Unsere Ziele und Maßnahmen

Unser Beitrag zu den SDGs und Zielen

Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen

Ziel:

9.1.: Eine hochwertige, verlässliche, nachhaltige und widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, einschließlich regionaler und grenzüberschreitender Infrastruktur, um die wirtschaftliche Entwicklung und das menschliche Wohlergehen zu unterstützen, und dabei den Schwerpunkt auf einen erschwinglichen und gleich-berechtigten Zugang für alle legen

Unser Beitrag:

Die ASFINAG ist bestrebt, die nachhaltige Erweiterung des Autobahnen- und Schnellstraßen-netzes im Sinne des Bundesstraßen-gesetzes voranzutreiben, um die Aufrechterhaltung eines stabilen Verkehrsablaufs zu gewährleisten und die von der Gesellschaft und Wirtschaft gewünschte Mobilität zu gewährleisten. Neben den baulichen Maßnahmen, fördert die ASFINAG auch multimodale Konzepte oder automatisiertes Fahren.

Um das ASFINAG-Netz wider-standsfähig gegenüber Naturgefahren zu machen, beschäftigen wir uns intensiv mit den Folgen der zunehmenden Zahl von Felsstürzen und Hochwässern. Diese Aktivitäten laufen in enger Abstimmung mit der ÖBB und unter Nutzung gezielter Kooperationen (z. B. Joanneum Research) durch die Begutachtung von Gefahrenstellen und Einleitung von zahlreichen Präventionsmaßnahmen.

Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten

Ziel:

11.2: Bis 2030 den Zugang zu sicheren, bezahlbaren, zugänglichen und nachhaltigen Verkehrssystemen für alle ermöglichen und die Sicherheit im Straßenverkehr verbessern, insbesondere durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, mit besonderem Augenmerk auf die Bedürfnisse von Menschen in prekären Situationen, Frauen, Kindern, Menschen mit Behinderungen und älteren Menschen

Unser Beitrag:

Die ASFINAG fördert insbesondere die Multimodalität und die Vernetzung mit dem öffentlichen Verkehr als Alternativen zur Kapazitäts-erweiterung in Form von Straßen-neubau oder Fahrstreifenzulegung. Um den Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu erleichtern, werden multimodale Reiseinformationen und Routingberechnungen im Rahmen der Verkehrsauskunft Österreich (VAO) angeboten. Zur Förderung der Bildung von Fahrgemeinschaften werden kontinuierlich Park & Drive Anlagen errichtet. Im Zuge von Großbaustellen werden Möglichkeiten geprüft, um den Verkehr von der Straße auf den ÖV zu verlagern, unter anderem um Staus zu vermeiden.

Im Rahmen des Projektes ASFINAG Zielnetz 2030+ wurden zukünftige Verkehrskonzepte wie multimodaler Verkehr, automatisiertes Fahren oder Truck Platooning betrachtet und geprüft, um Alternativen für die klassischen baulichen kapazitäts-erweiternde Maßnahmen zu erforschen. Die Ergebnisse fließen in die laufende Projektentwicklung ein.

GRI Disclosures:
103-01
Angaben zum Managementansatz
103-02
Angaben zum Managementansatz
203-01
Infrastrukturinvestitionen und geförderte Dienstleistungen
203-02
Erhebliche indirekte ökonomische Auswirkungen


SDG Targets:
9.1
Eine hochwertige, verlässliche, nachhaltige und widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, einschließlich regionaler und grenzüberschreitender Infrastruktur, um die wirtschaftliche Entwicklung und das menschliche Wohlergehen zu unterstützen, und dabei den Schwerpunkt auf einen erschwinglichen und gleichberechtigten Zugang für alle legen
11.2
Bis 2030 den Zugang zu sicheren, bezahlbaren, zugänglichen und nachhaltigen Verkehrssystemen für alle ermöglichen und die Sicherheit im Straßenverkehr verbessern, insbesondere durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, mit besonderem Augenmerk auf den Bedürfnissen von Menschen in prekären Situationen, Frauen, Kindern, Menschen mit Behinderungen und älteren Menschen

Sichere Straßen