Artenvielfalt

Verkehrswege greifen in die Lebensräume von Tieren und Pflanzen ein. Wir sorgen daher für die weitere Vernetzung dieser Räume, zum Beispiel durch Grünquerungen, und fördern naturnah bewirtschaftete Grünflächen. Diese Maßnahmen sind erforderlich, um die Artenvielfalt zu erhalten und unsere Strecke entsprechend in das Landschaftsbild zu integrieren.

Die ASFINAG führte von Februar 2017 bis Dezember 2018 das Projekt „Baumkontrolle Ersterfassung, Baumkatastererstellung“ durch. Wesentliche Inhalte dieses Projektes waren:

  • Vollständige Erfassung (schriftlich, digital und kartografisch) aller Gehölzbestände, Einzelbäume, Räumden, Aufforstungsflächen und Strauchflächen, inklusive Datenerhebung wie Baumarten, Höhe, Alter, etc.
  • Kontrolle auf Verkehrssicherheit aller verkehrssicherheitsrelevanten Baumbestände, Einzelbäume und Wälder sowie die Erstellung von Maßnahmenvorschlägen
  • Aufnahme von Bestandsdaten und Erstellung einer definierten Forsteinrichtung bzw. eines Behandlungskonzeptes (Waldwirtschaftsplan)
  • Einarbeitung der aufgenommenen Daten in das IT-System „Baumkataster“

Baumkataster

Baumkataster
Mit Stichtag 01.01.2020 befinden sich rund 51 km² Gehölzflächen (hierzu zählen Strauchflächen, Baumgruppen, Wald etc.) und ca. 22.100 Einzelbäume im Eigentum der ASFINAG. Damit zählen wir zu den Großwaldbesitzern Österreichs. Zusätzlich werden derzeit im Zuge der wiederkehrenden Baumkontrolle ca. 16.300 Maßnahmen zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit im Zusammenhang mit verkehrsbegleitenden Gehölz-beständen sowie zur Pflege von Einzelbäumen vergeben. All diese aufgenommenen Daten sind im Baumkataster für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ASFINAG abrufbar. Der Baumkataster dient nicht nur als Informations- und Planungsinstrument für die Maßnahmendurchführung, sondern fungiert auch als Nachweis der Verkehrssicherungspflicht des Straßenbetreibers. Zusätzlich dient der Baumkataster als Managementinstrument, um langfristig zum Aufbau, der Entwicklung und der Erhaltung eines gesunden, verkehrssicheren und funktionellen Baumbestandes beizutragen.

Ziel der Entwicklung von Gehölzflächen an Verkehrswegen ist die Etablierung eines dauerhaften und verkehrssicheren Bestandes aus standortgerechten Bäumen und Sträuchern. Die Bestände und Grünflächen erfüllen eine Vielzahl an wichtigen Funktionen und beeinflussen positiv das ökologische Gleichgewicht. Sie dienen in ihrer natürlichen Funktion als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, erfüllen Puffer- und Retentionsfunktionen (z.B. Staub- und Schadstofffilterung), verkehrstechnische und bautechnische Funktionen (Sicht- und Seitenwindschutz) sowie landschaftsökologische (Vernetzung von Lebensräumen) und architektonische Funktionen.

An unsere Autobahnen und Schnellstraßen schließen direkt 33 km² Mähflächen und weitere 15 km² sonstige Grünflächen wie beispielsweise ökologische Ausgleichsflächen an. Ein Teil dieser Flächen wurde zum Ausgleich für den Straßenneubau und zum Erhalt der geschützten heimischen Fauna und Flora angelegt. 2017 wurde mit der Erstellung des Ausgleichsflächenkatasters gestartet, welcher stetig weiterentwickelt wird.

Autobahnen sind zudem bedeutende Ausbreitungskorridore für Neophyten. Diese „Neu-Pflanzen“, die ursprünglich in unseren Breiten nicht vorherrschend waren, aber durch die Einwirkung des Menschen eingeführt wurden, gefährden die heimische Flora und Fauna. Die ASFINAG geht gegen diese Entwicklung schonend und nachhaltig vor. Seit 2015 verzichtet die ASFINAG freiwillig auf den Einsatz von Glyphosat. Deswegen entfernen die Mitarbeitenden unerwünschte Pflanzen vorrangig händisch. Das Pflanzenmaterial wird anschließend an befugte Entsorgungsfirmen übergeben. Die Zyklen für das Mähen passt die ASFINAG entsprechend an die Blütezeiten dieser Pflanze an, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Auf Grund der immer höheren Anforderungen wurde 2018 mit einem Schulungszyklus für die Autobahnmeistereien und deren Mitarbeitende im Zusammenhang mit der Grünraumbewirtschaftung im Allgemeinen und dem Umgang mit Neophyten im Speziellen gestartet, um eine Sensibilisierung für diese Themen zu erreichen. Ziel der Schulungen, die auch 2019 fortgesetzt wurden, ist es, die betrieblichen Abläufe weiter zu optimieren, um hierdurch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten zu können. Zur Problematik der Neophyten werden aktuell deren Entwicklung und Ausbreitung analysiert. Dadurch wird ein effizienterer Einsatz der Ressourcen im Zuge der Grünflächenpflege möglich.

Das Projekt Wildbeobachtung wurde 2017 initiiert, mit Frühjahr 2018 wurde an rund 20 Grünquerungen mit der Installation von Wärmebildkameras, Fährten­untersuchungen und dem Aufstellen von Bodenfallen begonnen. Die Auswertung dieser Beobachtungen wird aktuell durchgeführt, erste Ergebnisse liegen vor und der abschließende Bericht wird im Frühjahr 2020 finalisiert.

Im Rahmen der Initiative zur Verkehrs­infrastruktur­forschung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, der ÖBB Infrastruktur AG und der ASFINAG wurde 2017 ein dreijähriges Projekt zur Verbesserung der Kontrolle des Wildtierverhaltens gestartet. Die Entwicklung, Prüfung und Überwachung optischer und akustischer Wildwarngeräte an Anschlussstellen, Rampen und Betriebsumkehren, bei denen kein Schluss des Wildschutzzaunes vorhanden ist, soll mögliche Kollisionen mit Fahrzeugen verhindern. Im Jahr 2019 erfolgte die Ausrollung/Montage der Warngeräte an sechs unterschiedlichen Testsites. Das Monitoring der Geräte im Zuge des VIF-Projektes „WiCoNET-Wildlife Control Networks“ ist für 2020 und 2021 geplant.

Seit April 2016 beteiligen wir uns darüber hinaus an der österreichweiten Initiative „Natur verbindet: Jeder Quadratmeter zählt“. Dieses Projekt von Naturschutzbund, Umweltministerium, Landwirtschaftskammer und den Bundesforsten sammelt wertvolle „Quadratmeter“ Blühflächen, bunte Ackerränder oder auch Wildblumenwiesen. Die Initiative ruft Privatpersonen, Unternehmen und andere Organisationen dazu auf, ihre Naturflächen zu verbinden und will eine Karte möglichst großer, zusammenhängender, naturnah bewirtschafteter Flächen in Österreich erstellen. Gemeinsam mit dem Naturschutzbund legen wir daher Flächen fest, die wir zu standortgerechten Blumenwiesen entwickeln. Diese erfolgreiche Kooperation soll auch 2020 weitergeführt werden.

Ab Frühjahr 2020 wird mit der Umsetzung des F&E-Projektes „STRAUCH – Straßenbegleitende Gehölzflächen pflegeextensiv und nachhaltig anlegen“ an drei Testsites begonnen. Ziel des Projekts ist die Umwandlung von pflegeintensiven Gehölzflächen in extensive Pflegeflächen (Strauchflächen) und eine damit verbundene mittel- bis langfristige Reduktion der Gehölzpflegekosten. Gleichzeitig soll durch eine gezielte Auswahl von niederwüchsigen Straucharten sowie der Herstellung eines permanenten Bewuchses die Verkehrssicherheit erhöht werden und im Fall eventuell anfallender Pflegemaßnahmen die Streckenverfügbarkeit optimiert werden. Durch Erhalt eines permanenten Bewuchses sollen zusätzlich die ökologischen Funktionen (Puffer- und Retentionsfunktion, Vernetzung von Lebens-räumen, etc.) der Gehölzflächen verbessert und dauerhaft erhalten bleiben.

Ziele aus 2019

  • Implementierung und Ausrollung des Ausgleichsflächenkatasters
  • Fortsetzung der Schulung der Autobahnmeistereien und deren Mitarbeitenden
  • Fortsetzung der Kooperation „Natur verbindet“
  • Testweise Montage und Monitoring von optischen und akustischen Wildwarngeräten
    im Zuge des VIF-Projektes „WiCoNET-Wildlife Control Networks“
  • Autonomes Mulchen wird erstmalig im Echtbetrieb eingesetzt (an der S1)
  • Ersterfassung und digitale Darstellung der Neophyten-Ausbreitung

Das Ziel „Implementierung und Ausrollung des Ausgleichsflächenkatasters“ wurde teilweise erreicht. Die Vervollständigung des Katasters war 2019 noch nicht abgeschlossen. Auch die Inbetriebnahme von autonomen Mulchgeräten wurde 2019 noch nicht umgesetzt. Die Neophyten-Ausbreitung wurde bereits im Zuge der Baumkontrolle erfasst, die digitale Darstellung ist für 2020 geplant.

Ziele für 2020

  • Umsetzung Projekt STRAUCH
  • Aufbauende Schulungen der Autobahnmeistereien und deren Mitarbeitenden
  • Fortsetzung der Wiederkehrenden Baumkontrolle
  • Fortsetzung der Kooperation „Natur verbindet“
  • Fortführung des Ausgleichsflächenkatasters
  • Monitoring von optischen und akustischen Wildwarngeräten im Zuge des VIF-Projektes „WiCoNET-Wildlife Control Networks“

Betroffene Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG):

SDG 15

Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen

GRI Disclosures:
103-01
Angaben zum Managementansatz
103-02
Angaben zum Managementansatz
103-03
Angaben zum Managementansatz
304-02
Erhebliche Auswirkungen von Aktivitäten, Produkten und Dienstleistungen auf die Biodiversität
304-03
Geschützte oder renaturierte Lebensräume
413-02
Geschäftstätigkeiten mit erheblichen tatsächlichen oder potenziellen negativen Auswirkungen...


SDG Targets:
15.1
Bis 2020 im Einklang mit den Verpflichtungen aus internationalen Übereinkünften die Erhaltung, Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung der Land- und Binnensüßwasser-Ökosysteme und ihrer Dienstleistungen, insbesondere der Wälder, der Feuchtgebiete, der Berge und der Trockengebiete, gewährleisten
15.5
Umgehende und bedeutende Maßnahmen ergreifen, um die Verschlechterung der natürlichen Lebensräume zu verringern, dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende zu setzen und bis 2020 die bedrohten Arten zu schützen und ihr Aussterben zu verhindern

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